Texter texten nicht nur – sie lesen auch. Sogar recht viel. Und ab und zu sogar Fachbücher. Schade nur, wenn Fachbücher zum Thema Text schlecht lektoriert sind. Im aktuellen Buch (ich will ja nicht über Textkollegen lästern, deshalb nenne ich jetzt auch nicht den Titel) habe ich gleich auf der dritten Seite einen ersten Fehler gesehen, nur wenige Seiten später fällt mir ein weiterer Rechtschreibfehler ins Auge – und das bei nur flüchtigem, scannendem Lesen.

Ich beschließe verärgert, nicht weiter auf Fehler zu achten, da es ganz klar das Lesevergnügen schmälert (vor allem angesichts des Neupreises dieses Buches). Trotz des Vorsatzes, kommende Schreibfehler zu ignorieren, stolpere ich über weitere Fehler. Der vermutlich häufigste Rechtschreibfehler: das Durchkoppeln von Substantiven. Das ist in diesem Buch in der Regel eher fehlerhaft als fehlerfrei.

So etwas dürfte einem Texter eigentlich nicht passieren. Aus Erfahrung weiß ich selbst, dass vor allem bei längeren Texten der kritische Blick auf die Orthografie irgendwann verloren geht. Das ist das berühmte  Den-Wald-vor-lauter-Bäumen-nicht-mehr-sehen. Umso wichtiger wäre es dann, den Text vor dem Veröffentlichen lektorieren zu lassen.

Zunächst dachte ich, der Autor habe sein Werk nach dem Schreiben ohne Lektorat veröffentlicht. Bis ich dann auf der Impressumsseite vorne (die ganz untraditionell platziert und mit Seitenzahlen versehen ist) eine Lektoratsangabe gesehen habe. Offensichtlich ist das Buch tatsächlich vor dem Druck lektoriert worden. Nun habe ich mich doch gewundert: ein Lektorat und dann ein so schlechtes und der Autor merkt das nicht? Seltsamerweise findet sich im Internet überhaupt nichts zum Namen der Lektorin. Vielleicht die Freundin oder die Ehefrau? Aber offensichtlich keine professionell arbeitende Lektorin.

Schade um das Buch. Die Inhalte sind für mich als Texterin zwar zum großen Teil bereits bekannt, einige Abschnitte sind jedoch auch neu und durchaus interessant. Aber angesichts der Form mindert sich der Eindruck von der Qualität des Buches doch beträchtlich. Ein unprofessionelles Lektorat, bei dem am Ende noch einige Fehler stehen bleiben – das sollte einem Texter eigentlich nicht passieren. Da hat er sich und sein Buch leider einer schlechten Lektorin anvertraut.

Texter als Leser und professionelles Buchlektorat
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